Beim Projekt „DivMoSt - BioDiversitätsMonitoring von Streuobstflächen“ der BOKU University und der HBLA Klosterneuburg wurden in ausgewählten Testgebieten die Streuobstbestände mit Fernerkundungsmethoden erhoben und auf Referenzflächen die Biodiversität auf den Streuobstflächen durch Untersuchung bestimmter Tiergruppen dokumentiert. Zwei von insgesamt 40 Referenzflächen in Österreich lagen in den Naturparkgemeinden Scharten und St. Marienkirchen. Die Ergebnisse des liegen nun vor.
Der Bestand an Streuobstbäumen ist seit 1930 stark zurückgegangen (von ca. 35 Mio. auf rund 4,2 Mio. im Jahr 2020), wobei aktuelle Zahlen teilweise auf Schätzungen beruhen.
Zentrale Ziele des Projekts waren:
In 23 österreichweit verteilten Testgebieten wurden erstmals Streuobstbestände nach einheitlicher Methodik kartiert. Dabei wurden 1170 Flächen (231,9 ha) und rund 5900 Einzelbäume erfasst. Die meisten Bestände liegen auf Grünland (79 %) oder in Hausgärten (17 %). Viele Bestände sind 20–60 Jahre alt, Nachpflanzungen fehlen jedoch oft, und der Pflegezustand ist überwiegend unzureichend. Für den Erhalt sind verstärkte Pflege, Nachpflanzung und Strukturvielfalt entscheidend.
Auf Basis der Kartierungen wurde ein Modell zur automatisierten Erkennung von Streuobstbäumen mit Satellitendaten (2023–2024) entwickelt, das zufriedenstellende Genauigkeiten erreichte, aber noch Verbesserungspotenzial aufweist.
Die faunistischen Erhebungen auf definierten Referenzflächen ergaben innerhalb eines Jahres 458 Tierarten (321 Insekten-, 23 Fledermaus- und 114 Vogelarten) sowie 230 blühende Pflanzenarten. Besonders hoch war die Bedeutung der Flächen für Insekten: Es wurden 24 % der österreichischen Heuschrecken-, 30 % der Tagfalter- und 32 % der Bienenarten nachgewiesen. Mit Lycaena dispar und Parnassius mnemosyne wurden zwei europaweit geschützte Tagfalterarten festgestellt.
Bei den Fledermäusen wurden 23 der 31 in Österreich vorkommenden Arten dokumentiert, darunter mehrere gefährdete Arten. Als charakteristische Art für Streuobstflächen wurde Myotis nattereri s.l. definiert.
Auch für Vögel sind Streuobstflächen bedeutend: Rund die Hälfte aller regelmäßig in Österreich brütenden Arten wurde erfasst, durchschnittlich 37 Arten pro Fläche. Zwölf Arten – darunter Zwergohreule, Wiedehopf, Neuntöter und Steinkauz – gelten als charakteristisch für Streuobstbestände. Der Einsatz automatischer Audioauswertung (z. B. mit BirdNET) zeigte Potenzial, erfordert derzeit jedoch noch manuelle Nachkontrolle.
Da die Datenerhebung nur ein Jahr umfasste, ist für ein belastbares Biodiversitätsmonitoring eine mehrjährige Wiederholung notwendig, insbesondere wegen starker jährlicher Schwankungen bei Insektenbeständen.