Fledermausforschung

Quartier- und Habitatnutzung der Bechsteinfledermaus sowie spaltenbewohnender Fledermausarten im Naturpark Obst-Hügel-Land

Die seltene und schwer nachweisbare Bechsteinfledermaus zählt selbst unter Fachleuten noch immer zu den am wenigsten bekannten heimischen Fledermausarten. Sie gilt als typische Waldbewohnerin, deren Quartiere und Jagdgebiete vor allem in Laub- und Laubmischwäldern zu finden sind. Im Naturpark Obst-Hügel-Land sind vor einigen Jahren zwei Bechsteinfledermaus-Kolonien entdeckt worden.

Um mehr über die Ansprüche der Bechsteinfledermaus an ihren Lebensraum in einem relativ waldarmen Gebiet wie dem Naturpark Obst-Hügel-Land zu erfahren, wurden im Sommer 2012 sechs Weibchen der seit 2008 bekannten Wochenstuben-Kolonie in St. Marienkirchen mittels Radiotelemetrie erforscht. 2022 wurden in Scharten weitere Netzfang-Aktionen durchgeführt. In den Jahren 2024 und 2025 wurden weitere Erhebungen der Bechsteinfledermaus sowie spaltenbewohnender Fledermausarten durch die KFFÖ (Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich) durchgeführt.

Bei den Erhebungen zur Fledermausfauna im Naturpark Obst-Hügel-Land in den Jahren 2008 und 2009 gelangen erste Nachweise der Bechsteinfledermaus. Dabei handelte es sich bei den gefangenen Bechsteinfledermäusen ausnahmslos um laktierende Weibchen, sodass von einer reproduzierenden Population im Naturpark Obst-Hügel-Land ausgegangen wurde. Die beiden Fangstandorte in Scharten (Unterscharten) und St. Marienkirchen an der Polsenz (Eben) liegen jedoch so weit auseinander, dass es sich mit Sicherheit um zwei verschiedene Wochenstuben handelt. Aufgrund dieser Ergebnisse wurden in den Jahren 2010 und 2011 Telemetrieprojekte durchgeführt, um die Quartiere der Kolonien zu finden. Im Zuge der jährlichen „Bat Nights“ konnten in St. Marienkirchen immer wieder adulte Bechsteinfledermaus-Weibchen sowie diesjährige Jungtiere gefangen werden. Dadurch konnte diese Bechsteinfledermaus-Kolonie regelmäßig bestätigt werden. 2022 sollte erforscht werden, ob auch die zuletzt 2010 nachgewiesene Kolonie in Unterscharten noch vorhanden ist und ob es Hinweise auf weitere Vorkommen in der Naturparkgemeinde Scharten gibt. An vier Standorten (Unterscharten, Roitham, 2 x Finklham) wurden Netzfang-Aktionen durchgeführt und einzelne Tiere „telemetriert“, d.h. mit winzig-kleinen Sendern ausgestattet. Auf diese Weise lassen sich über Peilungen Tagesquartiere und Jagdgebiete eruieren. Zusätzlich wurden mittels „Batcorder“ Rufe aufgezeichnet und ausgewertet, d.h. einzelnen Arten zugewiesen.

2024 und 2025 wurde die Fledermausforschung auch auf spaltenbewohnende Fledermausarten ausgedehnt. Neben der Suche und dem Schutz von potentiellen Quartierbäumen für die Bechsteinfledermaus und dem Aufhängen von Ersatzquartieren erfolgten auch Ausflugsbeobachtungen an Spaltenquartieren zum Nachweis von spaltenbewohenden Fledermausarten.  

Ergebnisse 2022

Bei den vier Fangaktionen 2022 konnten 28 Individuen (9 verschiedene Arten) bestimmt werden, darunter auch eine Bechsteinfledermaus in Unterscharten. Dieses Weibchen wurde besendert. Drei Tage lang konnte es mittels Telemetrie verfolgt werden, bevor es vermutlich den Sender verlor. Bei einem der beiden dokumentierten Tagesquartiere (Höhle einer alten Weide) konnten in der abendlichen Dämmerung 31 Bechsteinfledermäuse gezählt werden. Mittels akustischer Erhebungen wiesen die Expertinnen mindestens neun Arten nach, darunter auch die Bechsteinfledermaus, aber nur am Standort Unterscharten.

Ergebnisse 2024/25

In acht von neun untersuchten Bereichen wurden geeignete Quartierbäume für die Bechsteinfledermaus gefunden. Sieben Bäume (Obst- und Nussbäume) wurden rund um einen Hof in St. Marienkirchen in ein Schutzprogramm aufgenommen. Nach dem Verlust eines natürlichen Quartierbaums (Sturmschaden) wurden Ersatzquartiere angebracht. Auch bei einem bestehenden Quartierbaum mit Konkurrenz durch Vögel und Wespen wurden zusätzliche Kästen montiert, um das Quartierangebot zu verbessern.
Zum Nachweis von spaltenbewohnenden Fledermäusen wurden 2025 acht Ausflugsbeobachtungen und sieben Swarming-Begehungen durchgeführt. An einem Standort konnten Quartierre der Fransenfledermaus sowie der Zwergfledermaus gefunden werden. Ein früher bekanntes Quartier der Zwergfledermaus wurde durch Gebäudesanierung zerstört. Als Ausgleich wurden Ersatzquartiere empfohlen bzw. bereitgestellt. Bei anderen Standorten konnten keine sicheren Quartiernachweise erbracht werden. Teilweise wurden nur jagende Tiere beobachtet oder frühere Quartiere waren nicht mehr vorhanden. Kotproben konnten im Projektzeitraum nicht gesammelt werden.

Empfehlungen

Aus Sicht des Fledermausschutzes ist der Erhalt von bekannten Quartierbäumen eine besonders wichtige Maßnahme. Das Naturpark-Team wird mit den Besitzer:innen Gespräche führen, um die Bäume möglichst zu erhalten. Das Anbringen von (zusätzlichen) Ersatzquartieren ist eine weitere Option.

Die Studie wird im Rahmen des Projekts „Lebensraum Naturpark Obst-Hügel-Land“ des Naturparks in Zusammenarbeit mit der KFFÖ, dem Naturschutzbund OÖ. und mit Unterstützung vom Land OÖ., Abteilung Naturschutz, Bund und von der Europäischen Union durchgeführt.

Links

Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung (KFFÖ), www.fledermausschutz.at
Naturschutzbund Oberösterreich, www.naturschutzbund-ooe.at 

Weiterführende Informationen und Projektberichte