Der Steinkrebs ist die kleinste europäische Flusskrebsart und besiedelt mit Vorliebe kleine, kalte Bäche. Er reagiert empfindliche auf Insektizide und organische Belastungen. Der Naturpark Obst-Hügel-Land beheimatet seit jeher Bestände des heimischen Steinkrebses (Austropotamobius torrentium). Dieser ist aufgrund von Habitatverlusten, der Krebspest sowie weiterer, meist anthropogen verursachter Stressoren, wie etwa organischen Belastungen durch intensive Landwirtschaft, gefährdet. 2026 erfolgte eine Erhebung der Steinkrebsbestände im Naturpark Obst-Hügel-Land an zwölf vordefinierten Strecken.
Der heimische Steinkrebs ist im Naturpark Obst-Hügel-Land nach wie vor zu Hause. Die Erhebung der Flusskrebsbestände zeigt allerdings ein ambivalentes Bild: Während in zwei Gewässern vitale Steinkrebsvorkommen nachgewiesen werden konnten, sind zahlreiche Bäche durch hohe Feinsediment- und organische Belastungen beeinträchtigt. Gleichzeitig stellen invasive Signalkrebse und die von ihnen verbreitete Krebspest eine besonders große Bedrohung für die heimische Art dar.
Die Erhebung liefert eine wertvolle Datengrundlage zur Flusskrebsfauna im Naturpark Obst-Hügel-Land. An zwei Probepunkten wurden Steinkrebse nachgewiesen, an zwei weiteren invasive Signalkrebse. An den übrigen neun Probepunkten konnten keine Flusskrebse festgestellt werden. Die Erhebung erfolgte nach der standardisierten „Methodik zur Erfassung von Flusskrebsbeständen in Österreich“. Die beiden Hauptfließgewässer im Naturpark, der Innbach und die Polsenz, wurden bei der Erhebung nicht berücksichtigt, da in diesen beiden Gewässern der Signalkrebs mittlerweile weit verbreitet ist.
Besonders erfreulich ist der Nachweis einer vitalen und sich selbst reproduzierenden Steinkrebspopulation im Grabenbach. Insgesamt wurden dort 32 Tiere pro 100 Meter Gewässerstrecke erfasst – darunter sechs Jungtiere, elf subadulte und 15 adulte Tiere. Die ausgewogene Altersstruktur belegt eine erfolgreiche Fortpflanzung und Nachwuchsrekrutierung. Aufgrund der gesunden Bestandsdichte, der erfolgreichen Reproduktion und des guten Altersklassenaufbaus wurde die Population als „Archepopulation“ des Naturparks Obst-Hügel-Land eingestuft. Damit besitzt sie einen besonders hohen natur- und artenschutzfachlichen Wert und soll bei zukünftigen Artenschutzmaßnahmen prioritär berücksichtigt werden.
Auch im Oberlauf des Planbaches konnten Steinkrebse nachgewiesen werden. Dort ist der Bestand mit sechs Tieren pro 100 Meter allerdings deutlich kleiner. Zwei subadulte und vier adulte Tiere zeigen, dass auch hier eine natürliche Bestandsdynamik vorhanden ist. Der Bestand wird ebenfalls mit dem Erhaltungszustand B2 bewertet und gilt als erhaltenswert.
Die größte Gefahr für die heimischen Steinkrebse geht vom invasiven Signalkrebs aus. Er wurde im Bach von Leopoldsberg und im Aibach nachgewiesen. Signalkrebse konkurrieren nicht nur direkt mit heimischen Flusskrebsarten um Lebensraum und Ressourcen, sondern können auch den Erreger der Krebspest übertragen. Für heimische Flusskrebsbestände verläuft diese Krankheit in der Regel tödlich. Besonders kritisch ist die Situation für die Steinkrebspopulation im Grabenbach: Der Grabenbach entwässert in den Innbach, in dem Signalkrebse bereits nachgewiesen wurden. Damit besteht grundsätzlich das Risiko, dass sich Signalkrebse beziehungsweise der Krebspesterreger weiter ausbreiten.
Neben den invasiven Flusskrebsen zeigt die Erhebung weitere Herausforderungen. Zahlreiche untersuchte Bäche weisen eine hohe organische Belastung und erhöhte Feinsedimentfrachten auf. Gleichzeitig fehlen vielfach strukturreiche Lebensräume und geeignete Versteckmöglichkeiten wie Totholz, größere Steine, Wurzelstöcke oder naturnahe Uferstrukturen. Dadurch wird die Lebensraumeignung für den Steinkrebs deutlich eingeschränkt. Auch die Auswirkungen des Klimawandels werden sichtbar: Im Kronbergbach, in dessen Zubringer 2012 noch Steinkrebse nachgewiesen wurden, war der untersuchte Gewässerabschnitt 2026 über weite Strecken ausgetrocknet. Zunehmende Dürreperioden und länger andauernde Niedrigwasserphasen können gerade für Steinkrebse in kleinen Oberlaufgewässern zu einem Verlust wichtiger Rückzugsräume führen.
Aus den Ergebnissen der Erhebung ergeben sich bereits konkrete Ansatzpunkte für den zukünftigen Schutz der heimischen Flusskrebse. Dazu zählen unter anderem die Untersuchung der Querbauwerke zwischen Innbach und Grabenbach, um das Einwanderungspotenzial des Signalkrebses besser beurteilen zu können, sowie eine Strukturverbesserung im Grabenbach durch zusätzliche Wurzelstöcke, größere Steine und Totholz. Im Oberlauf des Planbaches soll ein standortgerechter Ufergehölzstreifen entwickelt beziehungsweise gefördert werden. Die Beschattung des Gewässers kann damit verbessert und die Pufferwirkung gegenüber Feinsedimenteinträgen wiederhergestellt werden. Für den Kaltenbach, in dem vor rund 25 Jahren noch Steinkrebse vorkamen, wird zudem eine genauere Untersuchung des Oberlaufs empfohlen. Bei geeigneten Rahmenbedingungen wäre langfristig sogar eine Wiederansiedlung denkbar.
Der Steinkrebs ist ein unscheinbarer, aber besonders wertvoller Bewohner unserer Bäche. Die aktuelle Erhebung macht deutlich: Wo geeignete Lebensräume vorhanden sind, können sich stabile Populationen halten. Ihr langfristiger Schutz erfordert jedoch gezielte Maßnahmen – und den Erhalt naturnaher, strukturreicher Gewässer.
Dieses Projekt wurde durch EU und Land Oberösterreich aus Mitteln der Ländlichen Entwicklung unterstützt.