Wildbienen-Erhebung im Naturpark Obst-Hügel-Land

2017 wird die Wildbienenfauna u.a. in ausgewählten Streuobstwiesen, Obstanlagen und sonstigen Flächen in den Naturparkgemeinden erfasst. Wildbienen haben eine immense Bedeutung für die Bestäubung der Obstbäume.

Projektziele 

Im Zuge eines Biodiversitätsprojektes wird 2017 das Arteninventar von Wildbienen im Naturpark Obst-Hügel-Land erhoben. Ein Vergleich zwischen extensiv (Streuobstwiesen und Obstbaumzeilen) und intensiv bewirtschafteten Obstanbauflächen bietet sich als Fragestellung für die Region an. Konkret geht das Projekt folgenden Fragen nach:

  • Welche Arten dominieren auf den unterschiedlichen Flächen?
  • Wie viele und welche Arten sind an der Bestäubung von Obstbäumen beteiligt?
  • Wie können Wildbienen im Naturpark Obst-Hügel-Land gefördert werden?

Wildbienen, Obst und Bestäubung

Extensiv genutzte Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Wildbienen profitieren vom großen und vielfältigen Nahrungs-angebot der Obstbäume sowie der Blütenpflanzen in der Wiese. Alte Obstbäume mit dürren Ästen bieten zudem totholz- und stängelbewohnenden Wildbienen einen Nistplatz. Umgekehrt ist für die Bestäubung der Obstbäume (als auch der Blütenpflanzen in der Wiese) die heimische Wildbienenfauna unersetzlich. Ihre einzigartige Bedeutung ergibt sich daraus, dass Wildbienen im Vergleich mit anderen Blütenbestäubern nicht nur für die eigene Ernährung Nektar und Pollen sammeln, sondern auch ihre Brut zur Gänze damit versorgen. Wildbienen fliegen daher viel häufiger Blüten an als andere Insekten. Aufgrund der massiven Probleme in der Honigbienen-Haltung in den letzten Jahren, ist eine gezielte Förderung von Wildbienen in Obstbeständen eine effektive Methode, um zukünftig eine ertragreiche Ernte zu sichern. Aktuelle Studien belegen, dass Obstplantagen mit einer artenreichen Wildbienenfauna weitaus höhere Erträge erzielen als Obstplantagen mit einer artenarmen Wildbienenfauna bzw. solche mit ausschließlichem Honigbienenbeflug (MALLINGER & GRATTON 2014, BLITZER et al. 2016). Etwa 150 Wildbienenarten in Österreich sind auf bestimmte Trachtpflanzen spezialisiert und sammeln Pollen nur von diesen Blütenpflanzen. Darunter finden sich sehr seltene Pflanzen, welche auf ihre koevolvierten Bestäuber angewiesen sind. Manche heimische Orchideen mit sogenannten Täuschblumen sind dabei sogar von einer einzigen Bienenart abhängig. Für den nachhaltigen Naturschutz bedarf es daher nicht nur einer individuenreichen, sondern vor allem auch einer artenreichen Bienenfauna. Die Vielfalt der Wildbienen ist heute durch anthropogene Veränderungen der Landschaft stark bedroht. Durch das großflächige Verschwinden von bunten Blumenwiesen und geeigneten Nisthabitaten können viele Arten nur noch in Restpopulationen auf Kleinststandorten überleben. Eine weitere Gefährdungsursache ist das Anwenden von Insektiziden in der Landwirtschaft und in öffentlichen Bereichen. Umso größerer Bedeutung kommen extensiven und ohne Pestizide bewirtschafteten Streuobstwiesen zu. Durch die zeit- und arbeitsintensive Pflege solcher artenreichen Streuobstwiesen gelten diese in Mitteleuropa als stark gefährdet. Der Erhalt von Streuobstwiesen hat aus Naturschutzsicht oberste Priorität.

Untersuchungsflächen und Erfassungsmethoden

Es werden sechs Probeflächen in den Gemeinden St. Marienkirchen/Polsenz und Scharten ausgewählt. Um das Arteninventar vollständig zu erheben, sind vier Begehungen pro Fläche in den Frühlings- und Sommermonaten (zwischen April und August) vorgesehen. Selbstverständlich erfolgt die Auswahl und Begehung der Flächen im Einverständnis mit den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern. Die Tiere werden aus Naturschutzgründen mittels Insektenkescher gefangen (keine Fallenfänge). Sofern die Arten nicht mit Sicherheit im Gelände bestimmt werden können, müssen Belegexemplare mitgenommen werden, bevor die eindeutige Determination erfolgen kann. Da die Belegtiere langfristig aufbewahrt werden, sind die Untersuchungsergebnisse jederzeit überprüfbar. 

Literatur:

BLITZER E.J., GIBBS J., PARK M.G. & DANFORTH B.N. 2016: Pollination services for apple are dependent on diverse wild bee communities. – Agriculture, Ecosystems and Environment 221: 1–7. 

MALLINGER R.E. & GRATTON C. 2014: Species richness of wild bees, but not the use of managed honeybees, increases fruit set of a pollinator-dependent crop. – Journal of Applied Ecology 52: 323–330.