Von Reinkersch, Pfelzern und Kirschwachterhäusln

Die Kirschen haben Scharten in ganz Oberösterreich bekannt gemacht. Schon vor mehr als 100 Jahren wurden in dieser klimatisch begünstigten Region Kirschen angebaut. Waren es damals hochstämmige Bäume entlang der Wege, so sind es heute dicht bepflanzte Kirschenkulturen mit Spindelbäumen. Mittlerweile ist Scharten jene Gemeinde in Österreich mit der größten Kirschenanbaufläche. Auf mehr als 50 Hektar erzeugen die Obstbauern Schartner Kirschen. Hinzu kommen noch die vielen alten Kirschenbäume bei den Höfen, in den Hausgärten und in den Streuobstwiesen. 

Geschichte des Kirschenanbaus

Früher waren viele Wege in Scharten gesäumt von Kirschbäumen, vor allem entlang des Höhenweges zwischen Scharten und Buchkirchen bzw. Alkoven standen unzählige Bäume.  Die „Kersch“ waren schon immer als Lebensgrundlage für die Bauern und „Kleinhäusler“ wichtig. Viele Städter aus Linz oder Wels kamen, gingen in Scharten spazieren und kauften die begehrten Früchte hier. Oder die Bauern brachten sie mit alten Fuhrwerken auf die Märkte. Später holten erste Obsthändler die begehrten Schartner Kirschen mit  Pferdefuhrwerken und dann mit Lastwägen ab. Wenn im Frühsommer die Ernte los ging, wurden die langen hölzernen Leitern an die Bäume gelehnt, oft auch drei in einen Baum. Zum „Kersch brocken“ kamen auch Verwandte, Nachbarn und Taglöhner.  Die Kirschen wurden in Zisteln gesammelt und dann in große Körbe geleert. Entlang der Kirschenalleen wurden in gewissen Abständen kleine „Kirschhüterhäusl“ oder „Kerschwachterhäusl“ errichtet. Zur Kirschenzeit saß jemand darin und passte auf, dass nicht allzu viele Kirschen gestohlen wurden. Auch Schwärme von Staren wurden verjagt. Heute erinnern in Scharten nur mehr zwei solcher Kirschhütterl an vergangene Zeiten. 

Die meisten größeren Bauern hatten ein „Baumgartl“. Dort wurden aus Kernen oder Wurzelschößlingen Wildlinge aufgezogen. Wenn diese eine Höhe von rund zwei Meter erreicht hatten, wurden sie geköpft und mittels Spaltveredelung die gewünschte Sorten aufgepropft. Kirschen veredelte man gerne auf die starkwüchsige Vogelkirsche. Daraus entwickelten sich langlebige Kirschbäume. Zwei Kirschensorten waren besonders gängig in Scharten. Die kleinen, dunklen, saftigen Schartner Rainkirschen („Reinkersch“) waren und sind auch heute noch die besten Bunkel- und Strudelkirschen. Auch die „Pfelzer“  - eine für damalige Verhältnisse großfrüchtige Knorpelkirsche - erreichte in Scharten eine gewisse Bedeutung. 

Quellen: Schartner Geschichten (Dr. Emmi Mayrhofer), Obstbau in Scharten (Josef Bischlöger)

Erhaltung alter Kirschensorten

Der Naturpark hat es sich zur Aufgabe gemacht, die alten traditionellen Kirschensorten zu erhalten und wieder auszupflanzen. Viele der hochstämmigen Kirschbäume weisen ein hohes Alter auf, deshalb ist es umso wichtiger, Lokalsorten und interessante Sämlinge zu vermehren und diese nachhaltig zu erhalten. Die Baumschule Weber hat 2015 Schartner Rainkirschen mit Edelreisern aus Scharten produziert. Bei den regelmäßig vom Naturparkverein organisierten Obstbaum-pflanzaktionen können diese bestellt werden.