Die Mistel - Glücksbringer und Baumparasit

Jetzt in der Vorweihnachtszeit erfreuen sie sich wieder großer Beliebtheit. Sie schmücken viele Hauseingänge und werden zu stolzen Preisen auf Advent- und Bauernmärkten angeboten.

Die Rede ist von der Mistel, einer der ältesten Zauberpflanzen der Welt. Sie galt bereits bei den alten Griechen als Heilpflanze mit magischer Wirkung. Keltische Druiden in weißen Kleidern schnitten die Misteln mit goldenen Sicheln für rituelle Handlungen – Miraculix lässt grüßen. Die Mistel wird in der Komplementärmedizin und in der Volksheilkunde verwendet. Sie soll Glück bringen und eine lebenslange Partnerschaft versprechen, wenn sich ein Paar unter einem Mistelzweig küsst.

Die andere Seite der Mistel ist nicht ganz so romantisch. Der strauchartige Halbparasit ist in den Kronen von Laubbäumen zu finden und raubt den Bäumen Nährsalze und Wasser, indem er seine Wurzeln in die Wasserleitungsbahnen des Wirtsbaumes schiebt. Dadurch wird der Baum in seiner Vitalität beeinträchtigt. Mit ihren immergrünen Blättern betreibt die Mistel selbst Photosynthese. Im Laufe der Jahre wachsen Misteln zu kugeligen Büschen heran, die bis zu ein Meter Durchmesser erreichen können. In unseren Breiten kommt am häufigsten die Weißbeerige Mistel (Viscum album) vor, insbesondere die Unterart „Laubholzmistel“. Diese findet man auf Pappeln, Linden, Ahornen und insbesondere Apfelbäumen. Die Beeren reifen im Dezember und stehen auf dem Speiseplan einiger Vogelarten, z. B der Misteldrossel oder der Mönchsgrasmücke. Über den Kot der Vögel verbreitet sich die Mistel. Die nicht verdauten klebrig-schleimigen Reste der Früchte mit den Samenkernen bleiben an den Wirtsbäumen kleben und beginnen zu keimen. Diese geniale Verbreitungsstrategie macht eine Dezimierung der Misteln schwierig.

Die Misteln setzen in unserer Region den Obstbäumen stark zu. Alte Streuobstbestände sind durch das massenhafte Auftreten der Mistel in ihrer Existenz bedroht. Betroffen sind hauptsächlich ältere Apfelbäume, es wurden jedoch auch schon Misteln auf Birnbäumen, Kirschbäumen und jungen Apfelbäumen gesehen.

 

Was tun?
Misteln entfernen, aber richtig!

Je nachdem wie weit der Mistelbefall bei einem Obstbaum bereits vorgeschritten ist, sind verschiedene Maßnahmen zu empfehlen.

Leichter Befall im äußeren Kronenbereich: Grundsätzlich ist der Baum noch vital. Ein Entfernen der Misteln mittels eines kräftigen Rückschnitts (bis zur nächsten Astgabelung) ist sinnvoll und verlängert die Lebenserwartung des Baumes beträchtlich. Außerdem wird das Samenpotential minimiert.

Befall tragender Leitäste der Baumkrone: ein Rückschnitt ist hier nicht mehr möglich, da dies die Form und die Statik des Baums gefährdet. Wer den Baum noch erhalten will, sollte die Triebe der Mistel regelmäßig herausbrechen, um die weitere Verbreitung einzuschränken.

Starker Befall des gesamten Baums: hier ist eine Rettung nicht mehr möglich. Um eine weitere Verbreitung der Misteln zu verhindern, sollte der befallene Baum gänzlich entfernt und am besten durch einen jungen Obstbaum ersetzt werden.

Das Ausschneiden von Laubholzmisteln ist grundsätzlich ganzjährig möglich. Im Winter sind die immergrünen Misteln jedoch leichter auszumachen.

Um die „Mistelproblematik“ generell in den Griff zu bekommen und damit die aufwändige Obstbaumpflege nicht zur Sisyphusarbeit verkommt, wäre auch die Entfernung stark befallener (nicht heimischer) Hybridpappeln in den Augebieten und entlang vieler Bäche erforderlich.

 

TIPP: Bei einem Obstbaumschnittkurs im Naturpark Obst-Hügel-Land lernen Sie, Misteln richtig zu entfernen. Beim Kurs „Pflegeschnitt bei alten Obstbäumen“ wird speziell darauf eingegangen. Hier finden Sie die Termine im kommenden Jahr: Obstbaumschnittkurse im Naturpark Obst-Hügel-Land 2017